Dunbarrow

Ich lebe in einer kleinen Stadt namens Dunbarrow in der Hügellandschaft im Nordosten Englands. Meine Mum hatte die romantische Idee, in einem Haus auf dem Land zu leben, was sich dann nach zehn Jahren Dauerregen und Kleinstadttratsch als viel weniger romantisch herausgestellt hat. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin sicher, dass der Ort hervorragend für eine Besichtigung geeignet ist, wenn man an einem Feiertag eine Bustour macht und sechzig Jahre alt ist. Es gibt jede Menge historische Kirchen und Hügelgräber und keltische Opfersteine und so Zeug. Aber wenn man sechzehn ist, besteht Dunbarrow aus einer geschmacklosen Einkaufsstraße, einem Pub, in dem sie manchmal keinen Ausweis von einem haben wollen, nassen Weiden voller Schafe und einem Viertel mit roten Backsteingebäuden voller Sozialwohnungen, in dessen Straßenlabyrinth man sich besser nicht erwischen lässt, es sei denn, man kennt jemanden von dort. Ich wohne mit Mum zusammen im Wormwood Drive, einer ziemlich vornehmen Gegend, weil wir einen Garten vor unserem Haus und einen dahinter haben. Unser Haus steht ganz am Stadtrand und von den Schafkoppeln, die sich praktisch bis in alle Ewigkeit hinziehen, trennt uns nur die Gartenmauer. Mum ist ganz begeistert davon, weil alles Natur und bio ist, und die Schafe sind auch so unglaublich bio und ländlich und bringen einen auch überhaupt nicht dazu, an Selbstmord zu denken, wenn man ihnen mal aus Versehen in die ausdruckslosen toten Augen blickt.