Elza

Elza2Elza Moss ist die Art von Mädchen, die man vor ein paar Hundert Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt hätte. Ich weiß, das klingt grausam, aber es stimmt. Man braucht sie nur anzusehen, schon weiß man, dass sie hier nicht reinpasst: groß und blass, mit ein paar Sommersprossen unter den Augen. Sie hat den Teint einer Rothaarigen, färbt ihre Haare aber tiefschwarz, sodass der Kontrast ihr Gesicht so weiß wie Wachs aussehen lässt. Ihre Haare toupiert sie mit einer Tonne Spray nach oben, sie ragen über ihr auf wie eine eingefangene Sturmwolke.
Eigentlich habe ich ja gar nichts gegen Elza, aber an der Dunbarrow High School gibt es sehr strenge Regeln, zumindest unter den Schülern. Mädchen müssen glänzende, gepflegte Haare haben, keine meterhohen Gewitterwolken. Schmuck ist okay, aber bloß nicht zu viel. Man trägt keine Sachen, die man in Secondhandläden kaufen kann, von der Verwandtschaft vererbt bekommt oder irgendwo auf dem Dachboden eines Schlosses findet, was eine treffende Beschreibung für den Inhalt von Elzas Kleiderschrank sein dürfte. Mädchen dürfen, sollen sich sogar die Augen schminken, aber nirgendwo steht, dass sie wie Kleopatra aussehen müssen.
Sie könnte damit durchkommen, wenn sie sich nur ein bisschen anstrengen würde, sich anzupassen, aber sie macht nicht mal das Minimum. Sie trägt Armeestiefel, wenn sie in die Schule kommt, liest zu viele Bücher, benutzt zu viele Wörter und raucht Zigaretten vor dem Schul­eingang. Allein. Ich könnte darauf wetten, dass sie in ihrem Zimmer mehrere Meter Gedichte rumstehen hat, von denen sich kein einziges reimt.